Rückblicke

Launch des NRO-Reports „Imagine“

Der globale Einsatz für Frieden ist wichtiger denn je. Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen dabei eine essenzielle Rolle, denn sie tragen mit ihrer Arbeit auf lokaler Ebene zu einem friedlichen Miteinander bei und genießen aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit oft besonderes Vertrauen in der lokalen Bevölkerung. Beim Launch unseres NRO-Reports „Imagine – Wie zivilgesellschaftliche Organisationen zu einer friedlichen Welt betragen“ sprachen Mercy Chidi Baidoo von Ripples International und Sonja Birnbaum von HelpAge Deutschland über die Errungenschaften und Herausforderungen der zivilen Friedensarbeit.

Zum Launch des Reports sendeten Marthe Wandou, Alternativ-Nobelpreisträgerin und Gründerin der Kinderrechtsorganisation ALDEPA, sowie Rosa Emilia Salamanca, Direktorin des Institute for Social and Economic Research and Action (CIASE), Videobotschaften. Sie berichten in dem Report über ihre Friedensarbeit in Kamerun und Kolumbien. Diese und die vielen weiteren Beiträge in dem NRO-Report erinnern uns daran, dass Frieden nicht durch Krieg und Aufrüstung, sondern durch die aktive Förderung von Teilhabe und menschlicher Sicherheit entsteht. Fotos: © Jörg Farys

Im NRO-Report „Imagine“ schildern zivilgesellschaftliche Organisationen aus dem Globalen Süden, wie sie zusammen mit ihren Partner_innnen aus Deutschland zu einer friedlichen Welt beitragen. Die Berichte aus zwölf Ländern mit Beispielen für eine erfolgreiche Projektarbeit laden ein, friedensfördernde Ansätze in die eigene Arbeit aufzunehmen.

Verantwortung übernehmen für eine gerechte Welt

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 machten wir mit unserer Kampagne „Globale Verantwortung übernehmen“ auf die weltweiten Herausforderungen aufmerksam, vor denen Deutschland aktuell steht. In den sozialen Medien warben wir für eine global gerechte Politik, stellten hierfür unseren Mitgliedern entsprechende Kommunikationsmaterialien bereit und sprachen mit vielen Politiker_innen. Im Fokus unserer Forderungen standen eine Finanzierung von Entwicklungs­zusammenarbeit und humanitärer Hilfe entsprechend Deutschlands internationaler Zusagen und eine konsequente Umsetzung der Agenda 2030 auf Grundlage einer inklusiven, feministischen Entwicklungspolitik. Grafik: © Cecilia Castelli für Fine Acts, bearbeitet von Feinkost Design

Mutig. Menschlich. Miteinander

Unter dem Motto „Mutig. Menschlich. Miteinander. Hand in Hand für unsere Demokratie“ setzten wir eine Woche vor der Bundestagswahl ein deutliches Zeichen gegen Hass und Hetze. In Berlin folgten 38.000 Menschen dem Aufruf von Hand in Hand #WirSindDieBrandmauer. Gemeinsam machten wir uns auf dem Bebelplatz für den Erhalt demokratischer Werte stark und forderten einen entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus sowie einen konsequenten Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz und eine verantwortungsvolle internationale Politik. 

Gemeinsamer Ausblick auf die kommende Legislatur

Nach der Bundestagswahl gaben wir bei einem parlamentarischen Frühstück den neu gewählten Bundestagsabgeordneten die Gelegenheit, unseren Verband und die Arbeit unserer Mitglieder näher kennenzulernen. Bei dem Austausch im Paul-Löbe-Haus blickten wir gemeinsam auf die kommende Legislatur und diskutierten die Ausrichtung der zukünftigen deutschen Entwicklungspolitik und humanitären Hilfe.

Besonders bedanken wir uns bei Thomas Rachel, MdB, der die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernahm, sowie bei Janine Lietmeyer von World Vision Deutschland und Mathias Mogge von der Welthungerhilfe. Sie gaben Einblicke in die praktische Arbeit von Entwicklungs- und humanitären Organisationen und in die Herausforderungen, die ihnen dabei begegnen.

Hilfe ohne Hindernisse

Die Arbeit gemeinnütziger Organisationen wird mitunter durch gesetzliche Regelungen behindert, die eigentlich zur Bekämpfung der Terrorismusfinanzierung gedacht sind. Besonders bei Auslandsüberweisungen an Partnerorganisationen gibt es oft Schwierigkeiten. Um solche unbeabsichtigten Folgen der Terrorismusbekämpfung zu vermeiden, kamen auf einem Forum in Mumbai Vertreter_innen von Regierungen, Zivilgesellschaft, Banken und Wirtschaft zusammen. Auf Einladung der Financial Action Task Force (FATF) brachten wir dort die Erfahrungen von deutschen Organisationen ein. Unser Anliegen ist es, gemeinsam Lösungen zu finden, die der Terrorismusprävention dienen, ohne die Handlungsräume der Zivilgesellschaft zu beeinträchtigen.

Wichtiges Signal für Menschen mit Behinderungen

Anfang April 2025 fand in Berlin der Global Disability Summit (GDS) statt – ein internationaler Gipfel zur Stärkung der Rechte von Menschen mit Behinderungen in der internationalen Zusammenarbeit. Bereits zu einem frühen Zeitpunkt während der Vorbereitungen formulierten wir mit der Liga Selbstvertretung und dem Deutschen Behindertenrat unsere Erwartungen an das Gipfeltreffen. Vor Ort waren wir mit einem Stand vertreten und freuten uns besonders über den spontanen Besuch von Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze.

Von dem Treffen gingen dringende Impulse und Commitments aus. 75 Staaten und 27 internationale Organisationen unterzeichneten am Ende die Berlin-Amman-Deklaration und bekannten sich zu einer inklusiven internationalen Zusammenarbeit. Sie verschrieben sich zwei zentralen Zielen: Alle internationalen Entwicklungsprogramme sollen inklusiv und barrierefrei sein, und mindestens 15 Prozent der internationalen Entwicklungsprogramme sollen die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zum Ziel haben. Auch wenn wir uns an einigen Stellen mehr Verbindlichkeit gewünscht hätten, setzte der Gipfel ein wichtiges Signal, um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich der Entwicklungspolitik voranbringen.

Schutz vor Vertreibung durch die Klimakrise

Die Auswirkungen der Klimakrise nehmen weltweit dramatisch zu und zwingen immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Vor diesem Hintergrund luden wir mit der Klima-Allianz Deutschland, der Deutschen KlimaStiftung und der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen zum 27. Berliner Klimagespräch. Vor rund 100 Gästen diskutierten Staatssekretär Jochen Flasbarth, unsere Vorständin Martina Schaub, Mahmoud Haji, Jugenddelegierter im Auswärtigen Amt, sowie Garib Hasu von KlimaGesichter über Möglichkeiten, klimabedingter Migration zu begegnen und die Betroffenen besser zu unterstützen.

Neue Wege aus der Finanzierungskrise

Das globale System der Entwicklungsfinanzierung ist in der Krise. Etwa 40 Prozent der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen die Regierungen mehr für Zinszahlungen als für Bildung oder Gesundheit ausgeben. Die 4. UN-Konferenz zur Entwicklungsfinanzierung im spanischen Sevilla bildete eine wichtige Etappe, um dringende Reformen der internationalen Finanzarchitektur voranzutreiben. Wir nutzten den Moment und zeigten der Politik auf, wie eine gerechte Finanzierung nachhaltiger Entwicklung gelingen kann. Bei einem Side-Event thematisierten wir die erdrückende Schuldenlast vieler Länder.

Diese lässt den Regierungen inzwischen kaum mehr Luft, Mittel für Bildung, Gesundheit oder eine soziale Absicherung bereitzustellen. Wirksame Entschuldungsmechanismen scheitern bislang am Widerstand der Industrieländer. Die Teilnehmenden appellierten besonders an die G7-Staaten, sich endlich für einen ehrlichen Multilateralismus einzusetzen. Sie riskierten sonst, dass die Welt ohne sie gestaltet wird.

Wir danken Bodo Ellmers (Global Policy Forum Europe), Joel Odigie (ALREI, ITUC-Africa), Prof. Jayati Ghosh (University of Massachusetts Amherst), Malina Stutz (erlassjahr.de), Dr. Robert Plachta (Bundesfinanzministerium) und Penelope Hawkins (UNCTAD) für ihre Beiträge zur dieser Diskussion.

Ambition and Momentum

Schon vor Beginn der UN-Konferenz in Sevilla brachten wir in Berlin führende Stimmen aus Politik und Zivilgesellschaft zusammen und tauschten uns darüber aus, wie Deutschland finanzpolitische Reformen zum Wohle aller unterstützen kann. Unterstützung erhielten wir dabei von unseren Partnernetzwerken aus Brasilien (Abong), Äthiopien (CCRDA) und Indien (VANI).

In der taz-Kantine diskutierten Bärbel Kofler, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesentwicklungsministerium, Henrique Frota, Geschäftsführer von Abong, und unser stellvertretender Vorsitzender Carsten Montag die Frage, wie Regierungen partnerschaftlich zusammenarbeiten können, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen.

Die Entwicklungsziele, Klimaschutz und Menschenrechte können nur erreicht werden, wenn es dafür ausreichend Geld gibt. Und dieses Geld muss dauerhaft und zuverlässig bereitgestellt werden.

Henrique Frota, Geschäftsführender Direktor der Vereinigung brasilianischer NGOs (Abong), Brasilien

Mit klarem Fahrplan für die Klimafinanzierung nach Belém

Die wichtigste Klimakonferenz der Welt fand 2025 in der brasilianischen Stadt Belém statt. Ein besonderes Anliegen war es uns, dass die Bundesregierung mit festen Finanzierungszusagen dorthin reiste. Deshalb luden wir mit der Klima-Allianz und Germanwatch zu einem parlamentarischen Frühstück ein. Anlass zum Gespräch gab der Haushaltsentwurf 2026. Wir stellten heraus, wie wichtig Deutschlands Beitrag zur Finanzierung von Klimaschutz und Klimaanpassung für diejenigen Ländern ist, die besonders unter der Erderwärmung leiden. Wir freuten uns sehr, dass die Berichterstatter_innen der Regierungsfraktionen, Anna Elisabeth Aeikens (CDU) und Jakob Blankenburg (SPD), dafür die Schirmherrschaft übernahmen.

Friedenssicherung in einer fragmentierten Weltordnung

Vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden globalen Sicherheitslage stand auf dem Berlin Peace Dialogue die Frage im Mittelpunkt, wie in einer fragmentierten Welt zivile Krisenprävention gestaltet werden kann. Die Veranstaltung des „Beirats der Bundesregierung Zivile Krisenprävention und Friedensförderung“ bot eine wichtige Plattform zum Austausch über ganzheitliche, konfliktsensible Ansätze sowie internationale Verantwortung. Unser Bereichsleiter Bodo von Borries brachte die zivilgesellschaftliche Perspektive in die Diskussion ein. Er unterstrich die zentrale Rolle zivilgesellschaftlicher Kräfte bei der Friedenssicherung und betonte die Dringlichkeit, zivile Krisenprävention parallel zu den Verteidigungsfähigkeiten auszubauen. Zusammen mit Julia Leininger vom German Institute of Development and Sustainability hat er den Vorsitz des Beirats inne. Foto: © David Marschalsky

Klimaanpassung in die Tat umsetzen

Auf der 30. Weltklimakonferenz in Belém erlebten unsere Kolleg_innen die Atmosphäre als sehr bunt und tatkräftig. Im Gegensatz zu den vorherigen drei Konferenzen – in Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Aserbaidschan – hatte die angereiste und brasilianische Zivilgesellschaft viel Gelegenheit, sich zu Wort zu melden. Intensiv beschäftigten sich zivilgesellschaftliche Akteur_innen mit der Frage, wie Klimaschutz ganz praktisch gelebt werden kann. Passend dazu organisierten wir im Deutschen Pavillon das Side Event „Making Adaption Real“, das die Rolle indigener Gruppen und Frauen als Agentinnen für mehr Klimaschutz beleuchtete.

Mit dabei waren unter anderem Andreia Fanzeres von Operação Amazônia Nativa, Henrique Frota von Abong, Tigist Endashaw vom Climate Social Forum und Natascha Beinker vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Begrüßt hat Martina Schaub, Vorstandsmitglied von VENRO. Screenshots: © COP30 | German Climate Pavilion/YouTube