Wir bleiben stark – für eine nachhaltige Entwicklung

Henrique B. Frota
Geschäftsführer von Associação
Brasileira de ONGs (ABONG)

Anke Kurat
Bereichsleiterin Globale Gerechtigkeit
und nachhaltige Entwicklung
Die Zeit wird knapp. Nur noch wenige Jahre verbleiben, um die 17 globalen Nachhaltigkeitsziele (SDG) bis 2030 zu erreichen. Deshalb werden jetzt deutlich größere Anstrengungen erforderlich sein – sowohl um die Fortschritte bei den Zielen zu beschleunigen als auch um die Grundlagen für die Zeit nach 2030 zu schaffen.
Auf dem SDG-Gipfel 2027 sollen die Verhandlungen über die Zukunft der Agenda 2030 offiziell beginnen. So haben es die UN-Mitgliedsstaaten in ihrem Zukunftspakt 2024 beschlossen. Ein 17-köpfiges internationales Expert_innengremium befasst sich bereits mit den zentralen Fragen: den Hindernissen bei der Umsetzung der SDG, den Fortschritten und den politischen Handlungsoptionen. Im Auftrag des UN-Generalsekretärs erstellt das Gremium den Globalen Bericht über nachhaltige Entwicklung 2027.
Bei VENRO und ABONG aus Brasilien reflektieren wir gemeinsam mit unseren Partnernetzwerken – VANI aus Indien und CCRDA aus Äthiopien – darüber, welche Aspekte für ein Rahmenwerk nach der Agenda 2030 besonders reelvant sind. Zentral ist für uns, dass das Prinzip „Niemanden zurücklassen“ gewahrt bleibt, eine ehrliche Partnerschaft gelebt wird und der Grundgedanke, dass alle Länder sich weiterentwickeln müssen, fortbesteht.
Neue Dynamiken in der globalen Debatte
In unseren zivilgesellschaftlichen Netzwerken rücken wir zunehmend strukturelle Fragen in den Fokus, etwa die Reform internationaler Institutionen. Gleichzeitig machen wir uns für eine Politik stark, die Armut und Ungleichheit in den Mittelpunkt stellt und die Zivilgesellschaft eng in ihre Entscheidungsfindung einbindet.
Zu unseren zentralen Themen gehören der Schutz der Menschenrechte, die Einführung fairer Steuersysteme, eine Schuldenerleichterungen für kritisch verschuldete Länder sowie die Bewältigung der Klimakrise.
Gleichzeitig spüren wir, wie die Zunahme bewaffneter Konflikte, steigende Ausgaben für Sicherheit und die Rüstungsindustrie sowie der Wettbewerb um kritische Mineralien und Energieressourcen die Verhandlungsbereitschaft der Staaten in eine andere Richtung treibt. Mangelnder Konsens und geopolitische Spannungen untergraben zunehmend die Aussichten auf Einigungen im Bereich nachhaltiger Entwicklung.
Gerechtigkeit durch Partnerschaft
Die Verwirklichung von Gerechtigkeit erfordert echte Partnerschaften – getragen von Solidarität, Menschenrechten und dem Abbau struktureller Machtungleichgewichte. Die internationale Zusammenarbeit muss dafür über traditionelle Modelle hinausgehen. Vor allem wird sie sich gegen die Dynamiken geopolitischer Konflikte behaupten müssen.
Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen in diesem Wandel eine entscheidende Rolle. Durch gemeinsames Handeln können wir bestehende, praxisnahe Lösungen aus der Bevölkerung sichtbar machen und in multilaterale Prozesse einbringen, um ihr Potenzial voll zu entfalten. Auf diese Weise tragen wir nicht nur zur Gestaltung zukünftiger Agenden bei, sondern sorgen auch dafür, dass diese sich an den Lebensrealitäten und Hoffnungen der Menschen orientieren.
Ob dies gelingt, hängt jedoch davon ab, ob Staaten sich für Frieden statt Krieg, für Wohlstand statt Hunger und Armut und für Menschenrechte statt Diskriminierung entscheiden.
LESETIPP

Stark bleiben! Globale Ziele brauchen Zivilgesellschaft
Die Zivilgesellschaft steht weltweit unter starkem Druck. Finanzielle Kürzungen, diffamierende Narrative und kleiner werdende Handlungsräume erschweren ihre Arbeit enorm. In unserer Publikation „Stark bleiben! Globale Ziele brauchen Zivilgesellschaft“ zeigen wir, was zivilgesellschafliche Akteur_innen trotz dieser Hindernisse erreichen können. Damit möchten wir alle inspirieren und motivieren, die sich für eine nachhaltige Entwicklung engagieren.

