Strategische Neuaufstellung in politisch schwierigen Zeiten

Geschäftsführerin

Spätestens Anfang 2025 war klar: Die Rahmenbedingungen für die internationale Zusammenarbeit haben sich in alarmierender Weise verschärft – und mit einer schnellen Entspannung ist nicht zu rechnen. Während die wertegeleitete internationale Ordnung jeden Tag ein Stück weiter erodiert, spüren Millionen von Menschen die Folgen bereits unmittelbar. Krisen und Konflikte spitzen sich zu, massive Finanzierungslücken im humanitären System führen zu anhaltender Not, zivilgesellschaftliche Akteur_innen, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen, werden gezielt angegriffen und ihre Arbeit delegitimiert.

In dieser Situation braucht es gemeinsames Handeln – und neue Ansätze. Viele Antworten, die sich in der Vergangenheit bewährt haben, greifen für die Fragen von heute nicht mehr. Als Dachverband von mehr als 145 Organisationen sind wir uns der großen Verantwortung bewusst, die mit diesen tiefgreifenden Veränderungen einhergeht. Deshalb haben wir uns auf die Reise gemacht, die Schwerpunkte unserer Arbeit neu zu kalibrieren, unsere Ressourcen zu bündeln und den Verband strategisch fokussierter aufzustellen.

Die Mitgliederversammlung 2025 stellte die Weichen dafür. Mit großer Mehrheit verabschiedete sie den Beschluss „Eine starke Stimme für globale Verantwortung“, damit VENRO in Zukunft noch stärker als Impulsgeber und Innovationsförderer in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Bildungsarbeit agieren kann.

Im Zuge der Strategiefokussierung setzen wir auf vier Themen, in denen wir politische Prozesse noch stärker mitgestalten wollen.

Eine starke Stimme für globale Verantwortung

Strategiefokussierung 2026–2028 

Finanzierung und strukturpolitische Rahmenbedingungen

Die öffentlichen Mittel für die internationale Zusammenarbeit werden derzeit international und national drastisch reduziert. Wir machen uns stark für eine nachhaltige Finanzierung zivilgesellschaftlicher internationaler Zusammenarbeit und Reformen der strukturpolitischen Rahmenbedingungen.

Zukunft und Reform der internationalen Zusammenarbeit

In den nächsten Jahren werden zentrale Weichen für die zukünftige Ausrichtung der internationalen Zusammenarbeit gestellt. Wir begleiten diese Prozesse aus zivilgesellschaftlicher Perspektive und gestalten sie mit.

Rolle und Rahmenbedinungen der Zivilgesellschaft

Wir setzen uns für den Schutz und den Ausbau zivilgesellschaftlicher Handlungsräume weltweit sowie in Deutschland ein und treten für eine starke politische Unterstützung der Zivilgesellschaft ein.

Intersektionalität, Inklusion und Feminismus

Intersektional-feministische Ansätze spielen eine zentrale Rolle für eine effektive und inklusive internationale Zusammenarbeit. In seiner Arbeit trägt der Verband zur Stärkung dieser Ansätze bei.

Auch wenn die Umsetzung dieser Neuausrichtung anspruchsvoll sein wird, sind wir überzeugt, dass wir uns damit zukunftsfähig aufstellen. In der Zuspitzung der politischen und finanziellen Lage liegt auch die Chance, den Verband klarer zu positionieren und unsere Ressourcen noch gezielter zu nutzen.

Dank der umfassenden Expertise und den praktischen Erfahrungen unserer zahlreichen Mitglieder verfügen wir als Verband über eine hervorragende Ausgangsbasis, um unsere Politikfelder aktiv mitzugestalten und unsere Themen wirkungsvoll voranzubringen. Wir stehen in sehr gutem Austausch mit den relevanten politischen Akteur_innen – in Ministerien und im Bundestag sowie in die Parteien und Fraktionen. Und nicht zuletzt wissen wir sehr viele Unterstützer_innen an unserer Seite. Täglich begegnen wir bei unserer Arbeit Menschen, die sich gemeinsam mit uns für mehr globale Gerechtigkeit einsetzen.

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen, die vor uns liegen, ist unsere strategische Neuausrichtung mehr als ein organisatorischer Schritt – sie ist unser Anspruch, auch unter den veränderten Bedingungen wirksam, laut und gestaltend für eine zukunftsfähige Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und entwicklungspolitische Bildungsarbeit einzutreten.