Mit vereinter Kraft für eine verlässliche Entwicklungsfinanzierung

Vorstandsmitglied

Referent im Bereich Stärkung
der Zivilgesellschaft

Der Regierungswechsel markierte 2025 einen politischen Neustart auf Bundesebene. Für uns bot sich damit ein wichtiger Moment, um frühzeitig unsere entwicklungspolitischen und humanitären Anliegen in die haushaltspolitische Debatte einzubringen. Die breite Einbindung unserer Mitgliedsorganisationen in die politische Interessenvertretung erwies sich dabei als besonders wirkungsvoll.

Über eine bundesweite, dezentral organisierte Briefaktion trugen wir die Perspektiven und Praxiserfahrungen unserer Mitglieder in den politischen Raum. Mehr als 230 Schreiben erreichten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages – ein deutliches Signal für die Mobilisierungskraft unseres Netzwerks und die Dringlichkeit der Themen.

Parallel dazu machten wir in Gesprächen auf höchster politischer Ebene mit Bundeskanzler Friedrich Merz, Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan und zahlreichen Vertreter_innen der demokratischen Parteien auf die Notwendigkeit einer verlässlichen und ausreichenden Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe aufmerksam.

Wie hoch der Bedarf tatsächlich ist, verdeutlichen aktuelle Entwicklungen: Einer neuen Lancet-Studie zufolge starben innerhalb der letzten 20 Jahre rund 22,6 Millionen Menschen infolge der weltweit sinkenden Mittel. Durch die Kriege im Nahen Osten und im Sudan sind zudem mehr Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig verschlechtern sich infolge der steigenden Nahrungs- und Energiepreise die Lebensperspektiven von Millionen Menschen weltweit erheblich. Insgesamt haben 273 Millionen Kinder und Jugendliche keinen Zugang zu Bildung, und zwischen 638 und 720 Millionen Menschen leiden an Hunger.

Bundeshaushalt 2026: trotz Nachbesserungen eine besorgniserregende Entwicklung

Im parlamentarischen Verfahren zum Bundeshaushalt 2026 wurden die im Regierungsentwurf vorgesehenen Kürzungen bei der zivilgesellschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit etwas abgemildert. Insgesamt bleibt die haushaltspolitische Entwicklung jedoch besorgniserregend.

Besonders alarmierend ist die Situation in der humanitären Hilfe: Trotz immenser globaler Bedarfe verharrt sie auf einem Niveau von lediglich einer Milliarde Euro – rund 70 Prozent unter dem Stand von 2022.

Auch die Entwicklungszusammenarbeit gerät weiter unter Druck: Der Anteil des BMZ-Etats am Bundeshaushalt sank für das Jahr 2026 auf unter zwei Prozent des Bundeshaushalts und erreicht damit den niedrigsten Wert seit 15 Jahren.

Ein Großteil der Mittel entfällt auf Ausgaben im Inland

Gleichzeitig setzt sich der Trend fort, Ausgaben ohne unmittelbaren entwicklungspolitischen oder humanitären Nutzen auf die ODA-Quote anzurechnen. Rund 40 Prozent der deutschen ODA-Mittel entfallen auf Ausgaben im Inland, etwa für die Unterstützung von Geflüchteten oder Studierenden aus dem Globalen Süden. Deutschland wird durch diese Rechenweise zum größten Empfänger seiner eigenen Entwicklungsleistungen. Diese Praxis untergräbt die Aussagekraft und Glaubwürdigkeit der ODA-Quote und konterkariert das eigentliche Ziel, mit diesen Mitteln reale Entwicklungswirkung zu erzielen.

Dabei bleiben öffentliche Mittel weltweit das zentrale Instrument, um Menschen in den ärmsten Länder der Welt neue Chancen und Perspektiven zu eröffnen. In den sogenannten Least Developed Countries (LDC) leben besonders viele Menschen in Armut, während private Investitionen kaum verfügbar sind. Öffentliche Investitionen in die Daseinsvorsorge und wirtschaftliche Entwicklung sind hier unabdingbar.International vereinbart ist daher, mindestens 0,15 bis 0,2 Prozent des Bruttonationaleinkommens gezielt für diese Länder bereitzustellen. Auch diese Zielmarke verfehlt Deutschland regelmäßig deutlich: Aktuell liegt der Anteil nur noch bei 0,08 Prozent.

Breite Unterstützung für haushaltspolitische Forderungen

Wie groß der Bedarf für eine klare Positionierung gegenüber der Bundesregierung bei haushaltspolitischen Fragen ist, zeigt das Feedback, das wir erhalten: Wir erfahren für unsere Arbeit starken Rückhalt – sowohl innerhalb unseres Netzwerks als auch darüber hinaus. Mit diesem Rückenwind werden wir unser Engagement für eine angemessene und bedarfsgerechte Finanzierung von Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe weiterhin entschlossen in die Öffentlichkeit und in den parlamentarischen Raum tragen.

Wie verlässlich ist Deutschlands Engagement?

Die humanitären und entwicklungspolitischen Bedarfe steigen weltweit dramatisch. Dennoch steuert Deutschland auf die niedrigste ODA-Quote seit zehn Jahren zu – unter 0,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Unsere Studie zeigt, in welchen Bereichen die Mittel besonders fehlen: in den ärmsten Ländern der Welt, im Gesundheitsbereich, bei der Ernährungssicherung, der Klimafinanzierung und der Geschlechtergerechtigkeit.